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Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre

Hochtechnologie-Ressourcen in ostalpinen Blei-Zink-Lagerstätten

Die jahrhundertelange Tradition und Erfahrung österreichischer Unternehmen in der Gewinnung von Buntmetallen aus heimischen Lagerstätten wurde Anfang der 1990er Jahre durch die Schließung des Bergwerks Bleiberg-Kreuth nachhaltig gebrochen.  Österreichische Buntmetalllagerstätten wurden vorrangig auf Zink, Blei, Kupfer und Silber abgebaut – die Zeit für die Gewinnung von Hochtechnologiemetallen, von denen heute viele auf der Liste der kritischen Rohstoffe stehen (Germanium, Gallium, Indium, Kobalt), war noch nicht reif und der weltweite Bedarf gering. Lediglich in der Hütte Arnoldstein wurden für einen begrenzten Zeitraum in den 1980er Jahren Spurenelemente wie Cadmium und Germanium aus der Lagerstätte Bleiberg als Nebenprodukt von Zink und Blei gewonnen. Die genannten Metalle treten in österreichischen Lagerstätten in der Regel nicht als eigenständige und damit möglicherweise abtrennbare Mineralphasen auf, sondern sind zur Gänze oder teilweise im Gitter der Zink-Kupfer-Blei-Sulfide (Zinkblende, Bleiglanz, Kupferkies, Pyrit) substituiert. Die Nebenelemente können daher nur durch hydrometallurgische oder pyrometallurgische Prozesse aus den Hauptmineralen freigesetzt werden.

Österreich, bekannt als Land „reich an armen Lagerstätten“ (z.B. Friedrich, 1953), weist eine Vielzahl an Erzvorkommen auf, die potenziell an Hochtechnologiemetallen angereichert sein können. Untersuchungen zu Konzentration und speziell zur Bindungsart der Hochtechnologiemetalle wurden in Österreich bisher nur punktuell, keinesfalls systematisch und nicht mit Methoden nach dem heutigen Stand der Technik betrieben. Als Vorreiter ist vor allem Erich Schroll zu nennen, der bereits seit den 1950er Jahre lang versucht hat, charakteristische Nebenelemente in Erzen zu bestimmen. Moderne Methoden wurden lediglich für Erzproben aus Bleiberg und Umgebung angewandt (Henjes-Kunst, 2014).

Der Österreichische Rohstoffplan, erarbeitet vom BM für Wirtschaft, Familie und Jugend (nun BM für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (bmwfw)) und herausgegeben von der Geologischen Bundesanstalt (Weber, 2012), hat Gebiete identifiziert, die auf der Basis der verfügbaren Daten für die zukünftige Rohstoffgewinnung als sicherungswürdig oder zumindest bedingt sicherungswürdig einzustufen sind. Aus der Liste der Buntmetallvorkommen mit potenziell beibrechenden kritischen Rohstoffen sollen in diesem Projekt 5 sicherungswürdige Vorkommen untersucht werden. Dies beinhaltet (1) eine systematische Literaturrecherche, (2) eine Recherche nach Probenmaterial in geologischen und lagerstättenkundlichen Sammlungen, (3) die geologische Erfassung der untersuchungswürdigen Vorkommen, (4) Beprobung (wenn möglich; Halden und Bergbau) und (5) nachfolgende Analyse der kritischen Elemente mit modernen Methoden (XRF, EPMA, MLA, LA-ICP-MS). Ziel soll sein, die mineralogische und chemische Bindungsform von kritischen Hochtechnologiemetallen sowie ihre Verteilung ortsaufgelöst in den Erzen zu erfassen, und daraus mögliche Vorräte zu berechnen. Diese Evaluierung soll auch Kennwerte für aufbereitungstechnische Fragestellungen erarbeiten (prozessmineralogische Charakterisierung).

 

 Publikationen:

Melcher, F. & Onuk, P. Berg Huettenmaenn Monatsh (2019) 164: 71. doi.org/10.1007/s00501-018-0818-5

 

Wir danken der Geologischen Bundesanstalt für die finanzielle Unterstützung des Projektes.

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